Informationsveranstaltung "Aktuelle politische Situation im Irak, mit besonderer Berücksichtigung von Nordirak"

„Die Sicherheitslage im Nordirak ist sehr stabil, aber im Irak allgemein ist sie sehr unsicher“

Mit dieser Aussage charakterisierte unser Gast aus dem Nordirak die aktuelle Lage in seiner Heimat. Es handelt sich um Herrn Abdulaziz Mohsin Barzany, den Leiter des Dohuk Instituts for Gerneral Cultur (DIGC www.digc.info) und Kooperationspartner unserer Niederlassung im Nordirak. Veranstalter der Infoveranstaltung am 17.10.2011 war der Verein Hilfe von Mensch zu Mensch e.V.  Der Infoabend fand in den Räumen der neuen Jenaplanschule statt. Im Namen von Hilfe von Mensch zu Mensch begrüßten Sadija Klepo und Dr. Hüttner den Gast. Unsere Mitarbeiterin Schahnam Al-Taie übersetzte fachkundig die Ausführungen.

Herr Abdulaziz stellte in einer Einführung die neueste Geschichte Iraks und die Entwicklung der kurdischen Region vor. Er bezeichnete die kurdische Region als die „Boom Zone” des Iraks, in der die Sicherheitslage sehr stabil ist.  Für die sichere Lage in den kurdischen Gebieten  und das friedliche Zusammenleben im Nordirak wurde der Präsident der Autonomen Kurdistan Masoud Barzany dieses Jahr mit dem Atlantic Preis in Italien ausgezeichnet.

1991 nach dem Abzug der irakischen Truppen von Kuwait nach Nordirak im “ersten US-Golfkrieg” wurden viele  Dörfer und  Städte und die wirtschaftliche Infrastruktur im Nordirak zerstört, die Dorfbewohner wurden vertrieben und der größte Teil ihrer Felder vermint. Hunderttausende Kurden waren  in die Grenzregion der Türkei und des Irans geflohen. Die Region mit ca. 4 Millionen Menschen war nach 30 Jahren Krieg ausgeblutet. 1991 wurden die irakisch-kurdischen Provinzen Dohuk, Erbil und Sulemania mit der UN Resolution 688 in eine UN-Sicherheitszone umgewandelt. 1992 wählten die Kurden ihr erstes Regionalparlament, das aber erst 1997 nach Beendigung des bewaffneten Konflikts zwischen der KDP (Barzani, kurdischer Regionalpräsident) und der PUK (Talabani, derzeit irakischer Staatspräsident) selbständig handeln konnte. Nach dem Sturz der Diktatur von Sadam Hussein im April 2003 wurde eine Übergangsverwaltung eingerichtet. 2005 wurde per Volksentscheid die irakische Verfassung angenommen.
Nach dem Abzug des größten Teils der amerikanischen Truppen aus dem Irak kommen zwischen dem autonomen kurdischen Norden und der Zentralregierung teils heftige Auseinandersetzungen auf, die die US-Besatzung hinterlassen hat. Herr Abdulaziz nannte einige Konfliktpunkte zwischen der Regierung in Bagdad und Nordirak. Wichtigste Auseinandersetzungspunkte des Konflikts sind:

 
In einem weiteren Punkt stellte Herr Abdulaziz dar, warum sich in der kurdischen Region so eine positive Entwicklung zeigt. Grundlage dafür sind wichtige Gesetze, die vom kurdischen Parlament für die kurdische Region verabschiedet wurden.
In seinem Abschlussworten begrüßte Herr Abdulaziz die Bemühungen unserer und anderer Organisationen in München, jugendliche Iraker zu unterstützen, damit sie eine ausreichende Schulbildung erlangen und sich hier gut integrieren oder sich in ihrer Heimat reintegrieren können.
 
Seine Organisation DIGC ist bereit für weitere Zusammenarbeit und für weitere Kooperationen mit deutschen Organisationen. 
 
Bei der anschließenden Aussprache wurde eine Reihe von Fragen näher beleuchtet. 
 
Schahnam Al-Taie        Oktober 2011
© Verein Hilfe von Mensch zu Mensch