Zum Tode von Ante Markovic
Der letzte Ministerpräsident des „Alten Jugoslawien“ Ante Markovic ist vor einer Woche im Alter von 87 Jahren verstorben.
Der aus dem 80 km östlich von Sarajewo gelegenen Konjic stammende Politiker hatte in Zagreb Elektrotechnik studiert und als Leiter des Maschinenbauunternehmens Rade Koncar eine steile Karriere als Wirtschaftsmager hinter sich, bevor er 1980 in die Politik wechselte und Präsident der Teilrepublik Kroatien wurde.
In der Krisenzeit der 80iger Jahre, als Jugoslawien immer tiefer in wirtschaftliche Schwierigkeiten versank und eine Hyperinflation den jugoslawischen Dinar entwertete, sollte der Wirtschaftsmann 1989 das Ruder herumreißen und das Land wieder in ein sicheres Fahrwasser bringen. Es gelang ihm nach seinem Amtsantritt im März 1989 auch den Dinar zu stabilisieren und die Inflation zu senken, aber das Land war schon zu sehr in die Arme nationalistischer Politiker gefallen.
Seine Partei der „Bund der Reformkräfte Jugoslawiens“ verfügte wohl landesweit über eine große Zahl von Anhängern, aber in den einzelnen Teilrepubliken reichte ihre Zahl nicht aus, um tatsächlich Einfluss auf die aktuelle Politik nehmen zu können.
In den Teilrepubliken Slowenien und Kroatien kamen in freien Wahlen die anti-kommunistischen Kräfte an die Macht, die eine Loslösung vom Zentralstaat wollten. In Serbien festigte sich jedoch mit den regierenden Sozialisten eine Gruppe von Politikern, die einen neuen von Serben dominierten Zentralstaat wollten. Markovic wurde zwischen diesen unvereinbaren Positionen zerrieben, er konnte dem erwachenden nationalistischen Gruppen nicht länger widerstehen. Auch sein als Gegengewicht zu einer nationalistisch geprägten Medienpolitik gegründeter TV Sender Yutel in Sarajewo hatte nicht lange Bestand.
Als sich am 25. Juni 1991 Slowenien und Kroatien für unabhängig erklärten, dem nach einem Referendum im März 1992 auch Bosnien-Herzegowina folgte, war die Auflösung Jugoslawiens besiegelt. Am 20. Dezember 1991 trat Markovic als Regierungschef zurück.
Er lebte als Unternehmer nach dem Krieg auch eine Zeitlang in Graz, wo er ein Unternehmen für Wasserkraftanlagen gründete. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er dann in Sarajewo.
Ich erinnere mich an Herrn Markovic in den Zeiten vor den ersten demokratischen Parlamentswahlen im eh. Jugoslavien 1990 als er mit seinen
Reformistenanhängern versuchte den Staat zu retten. Mit seiner damals sehr modernen Art große Veranstaltungen zu organisieren, konnte er in den Großstädten vor allem junge Leute begeistern. Doch in den ländlichen Gebieten hat er keine Wähler gewinnen können. Er war ein großer Enthusiast und ein für jugoslawische Verhältnisse sehr moderner Politiker. Er war aufgeschlossen für die Vorschläge der jungen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und hat nach den Veranstaltungen sich unter die Menschen gemischt und mit ihnen getanzt und gesungen.
Herrn Markovic persönlich gekannt zu haben, war für mich damals vor dem Krieg eine wirkliche Bereicherung, die ich nicht missen möchte.
Von Sadija Klepo
Sendung Blickpunkt Balkan am 05. Dezember 2011
